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Bayern
Innen Träumerin, außen Realistin, Liebhaberin der klassischen Musik, der Kunst, Verfechterin des Glaubens an Gott, Gedankenreisende, Gerechtigkeitliebende.

Samstag, 6. Oktober 2012

Steile Wände




Wie viel kann ein Mensch schaffen?
Ich war immer der Überzeugung, dass es zum großen Teil auf den eigenen Willen ankommt, was zu schaffen ist und was nicht.
Man darf natürlich nicht zu leichtsinnig sein oder sich selbst überschätzen, aber manchmal sieht man nur die Wand vor sich und nicht die Möglichkeit, sie zu besiegen.
Vielleicht kann man selbst nicht viel gegen die Wand ausrichten. Sollte man sich dann helfen lassen?
Man muss vor allem über sein Problem und sein Vorhaben reden.
Mancher hat eine bessere Ausrüstung dabei, um die Wand zu besiegen, mancher hat soviel Kraft, dass er Dich mitnehmen kann.
Hinaufklettern ist immer mühsam, sich fallen lassen gilt nicht. Du darfst nicht faul sein, Dich nicht gehen lassen, sondern Du musst selbst gehen.

Du musst wollen. Jeden Tag musst Du Deine steile Wand absolvieren. Du kannst nichts delegieren, Du musst Dir Schritt für Schritt überlegen, wo Du hintrittst, aber Du brauchst Vertrauen, um die Gefahr zu bestehen.
Du wirst Haltegriffe finden, um Dich hochzuziehen. Du wirst Spalten sehen, wo die Füsse Halt finden.
Du musst Dir Deine Wand genau anschauen, dann wird es schon gehen. Gehe langsam und vorsichtig.
Steige nach oben. Von oben hat man eine herrliche Aussicht - bestimmt.





Sonntag, 9. September 2012

"Wir eilen mit schwachen doch emsigen Schritten" BMV 78

Hermes, der Götterbote ( Kopenhagen,  August 2012)
Die Ferien sind fast vorbei und hinter jeder Ecke lugt die Pflicht hervor.
Ein neues Schuljahr beginnt. Es gilt zu hoffen, dass die vielen Mosaiksteinchen, die ein solches Arbeitsjahr mit sich bringen, mit froher Gelassenheit verlegt werden dürfen.
Dazu fällt mir die Bach-Kantate 78 "Wir eilen " ein. Sie gefällt mir so ungemein gut, dass ich sie mir oft des Morgens vorspiele, immer dann, wenn der Tagesbeginn einen kleinen Kick braucht. Ich empfehle hier eine gute Instrumentalfassung, denn die  wirkt tausendmal besser als Koffein oder Nikotin.
Mit der Bachkantate BMV 78 läßt es sich leichter aufstehen,  man kann schon unter der Dusche mitsingen, so fällt das bleierne Nachtgefühl schnell ab und es zieht ein Lächeln über das Gesicht.
"Wir eilen mit schwachen doch emsigen Schritten" jeden Tag auch auf die Vollendung bei Gott zu. Ja, auch dieser Verantwortung müssen wir gegenwärtig sein.

Wir sollten den DYS-STRESS meiden - die völlige Terminausbeutung.
Wir Menschen sind keine Halbgötter, Geschwindigkeit birgt das Risiko des Fehlers.

Eile langsam! Zwar müssen wir manchmal so schnell wie Hermes, der Götterbote sein, aber wir sollten es nicht übertreiben und nie die Bodenhaftung verlieren.
Also eile ich mit Johann Sebastian Bach (1685-1750) beschwingt und heiter ins neue Schuljahr und wünsche dieses frohe Grundgefühl  auch meinen geneigten Lesern.

Donnerstag, 23. August 2012

Rostock - oder kann man aus der Geschichte lernen?



Rostock, Dokumentations-und Gedenkstätte
Letzte Woche landete ich in Warnemünde/Rostock nach einer längeren Fahrt über das Meer.

Was sah ich in Rostock?
Eine Schizophrenie nach der anderern.

Den Wahnsinn der Meute, die Ignoranz, die lustige Oberflächlichkeit der Hanse-Sail, das scheinbar normale Leben einer Großstadt.



Die Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen U-Haft der Stasi hinterließ grauenhafte Eindrücke.
1958/60- 1989
Gefängnis, Folter, Knebelketten, quälende Verhöre, Missachtung jeder Meinungsfreiheit, Abhörtechniken, Geruchsproben, Erfindung der Unwahrheit, um einen Menschen, der völlig unschuldig war, zu belasten. 4900 U-häftlinge. Nach der Wende der Versuch die Stasi-Akten verschwinden zu lassen.



Rostock im Oktober 1989
Eine Stadt im Aufbruch: DAS NEUE FORUM, ein Bild und die Predigt des jungen Pastors Gauck  (unseres heutigen Bundespräsidenten) in der Marienkirche. Die Kirche, in diesem Fall die protestantische, als Versammlungsort für die Gegner der Diktatur der SED - und es waren unglaublich viele redliche Menschen.



Damals Plakate für eine echte Demokratie,
heute hängen sie gegen Rassismus und für Toleranz.

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UND DENNOCH, DIE UNBELEHRBAREN VERMEHREN SICH !

1992 im August, die Schmähung, das Progrom an den Asylsuchenden im "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen.
2012 im August in der S-Bahn nach Warnemünde junge Menschen mit Runenringen, Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln, "Londsdale"-T-Shirts, vertieft in ihre internetfähigen Handys, die sie nichts lernen lassen.

Ein Rentner forderte offen, "mehr Ordnung" mit dem stereotypen Satz: "Diesen Mist hätte es in Zeiten der SED nicht gegeben." Und folgerte daraus, dass es vor der Wende doch gute Zeiten gewesen seien, weil die Arbeitslosigkeit gering war.
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Mitten in Rostock steht der "Brunnen der Lebensfreude", gestaltet von Jo Jastram und Reinhard Dietrich 1980, der auch den Giebel des "Sonnenblumenhauses" 1979 gestaltet hat.












Nicht weit vom "Brunnen der Lebensfreude" mahnt die Inschrift über dem Eingangsportal der Universität: DOCTRINA MULTIPLEX VERITAS UNA




          "Es gibt vielfältige Lehren, aber nur eine Wahrheit."
 
Wollen wir hoffen, dass es eine reine und vor allem unbefleckte Wahrheit gibt, die sich nicht diktatorisch in die Hirne der Menschen schiebt, die nicht in den sozialen Netzwerken künstlich erzeugt und dann als einzige Wahrheit verkauft wird, sondern, dass die Wahrheit der absoluten Menschenliebe frei gesetzt wird, die ohne Gewalt, Hass und Neid auskommt.

Freitag, 3. August 2012

Das Meer - Das Mehr


















Der Bodensee, ein schwäbisches Meer,
die Ostsee, das Meer unserer Kanzlerin,
die Nordsee, das Meer der Hamburger,

die Adria, der Teutonengrill,
das Ligurische Meer für die Florentiner,
das ..... Meer für die Piraten,

............... für die Kreuzschiffe,
für die Frachtschiffe,
hoffentlich ohne ätzenden Ladung.
Für die Fischefänger ohne zu überfischen.

Schließe die Augen und spüre die
salzige Gischt.
Das Auf und Nieder und
das Hinaus- und Hineinziehen.

Die Welle bricht auf dem oberen Kamm.
Der Mensch
ist nur der Lenker einer Nussschale
auf den Wogen.
Das Mehr -  immer mehr vom Meer wollen.
Wer das Lebendige im Meer tötet,
tötet sich selbst.


Donnerstag, 26. Juli 2012

Von den uralten Wegzeichen


Von meinen letztjährigen Wanderungen durch den Malcantone, brachte ich ein Foto von einer Steinpyramide mit.
Ich war unterwegs nach Santa Maria d' Iseo, einem Wallfahrtsort (Mariä Himmelfahrt) hoch über dem Luganer See. Ein mystischer Kraftort und ein himmlischer noch dazu, wenn man zu den wenigen Menschen gehört, die die dortige Kirche schon einmal von innen gesehen haben.

Die sorgsam  übereinander geschichteten Steine schienen gleichsam von einer Zauberkraft im Gleichgewicht gehalten.
Wer hatte sie wohl aufgestapelt? Wollte jemand einen heiligen Ort damit markieren?
Was flüstern solche Steinpyramiden?  " Ja, hier bist Du auf dem richtigen Weg." Wollte mich jemand damit grüßen?
Ich weiß es nicht. Aber ich spürte, dass davon eine besondere Kraft ausging.
Etwas Menschliches liegt in den aufgehäuften Steinen, etwas Meditatives.
Es fühlt sich an , als ob jemand sagte: "Komm, halt ein, bleib' stehen, atme tief, erhebe Dich aus der Erde heraus und suche Dein inneres Gleichgewicht.
Je höher Du steigst, je älter Du wirst, desto sensibler wird die Balance de(r)s Körper(s), aber fürchte Dich nicht, sondern lege noch einen Stein mehr auf die Spitze, jedes Jahr einen Stein mehr, baue an Deinem Leben, auch wenn es je älter Du wirst, desto unmöglicher erscheint. Die Seele wird stärker mit jedem Jahr und hilft Dir die Balance zu halten."

Sonntag, 15. Juli 2012

Sakrileg !

Nehmen wir einmal an, Sie hätten vor vielen Jahren von Ihrer(m) Herzallerliebste(n) eine Rose zum ersten Rendevous geschenkt bekommen. Nehmen wir an, Sie hätten die Rose, die Sie an eine herrliche Zeit und die Bindung zu einem wunderbaren Menschen erinnert, aufbewahrt und wie ihren Augapfel gehütet. Seit Jahren hängt sie nun kopfunter in einer Ecke Ihrer Wohnung.
Da betritt eines Tages ein Ordnungsfanatiker ihre Wohnung und nimmt die Rose herunter, zerknickt sie und schmeißt sie in den Papierkorb. Sein Kommentar: "Zwecklos, nutzlos, gefährlich, gesundheitsschädlich, nur eine dumme Sentimentalität!"
Was würden Sie diesem Ordnungshüter sagen? Welche Emotionen würden sich hochschaukeln?


Wir haben als Außenstehende nicht das Recht in religiöse Rituale anderer Religionen einzugreifen. Änderungen können nur aus der Religion selbst erfolgen.
Die Beschneidung jüdischer und muslimischer männlicher Säuglinge kann nicht von einem deutschen, säkularen Richter gemaßregelt werden, auch, wenn mit dem Schutz der Unversehrtheit argumentiert wird.

Elternrecht, Religionsfreiheit, Recht auf Unversehrheit stehen scheinbar in diesem Zusammenhang auf Kollisionskurs. Es sollte klar sein, dass auch Jesus als Jude selbstverständlich ein Beschnittener war.




Justitia, lass Dein Schwert sinken und urteile nicht!
In unserer säkularisierten Zeit muss man feinfühliger reagieren und genau abwägen.
Man bedenke dabei, wie viele Dinge von allen Eltern für ihre Kinder vorbestimmt werden:
die Muttersprache, der Aufenthaltsort des Kindes, die Wahl der Schulen, der Ärzte, der Operationen, letztlich auch die Zugehörigkeit zu einer Religion oder die Entscheidung zu einem nicht religiös bestimmten Leben.
Man bedenke, dass z. B. eine Impfung oder ein Piercing am Ohr dann ebenfalls eine von den Eltern bestimmte Körperverletzung wäre.

Man bedenke aber auch, dass die Frauenbeschneidung keinen Hintergrund im Koran hat und deshalb mit Recht als schwere Körperverletzung bezeichnet und verboten werden muss.





Dienstag, 3. Juli 2012

Mühsam von unten nach oben

Vor einigen Jahren hatte ich ein Lungenvirus,
das Atmen fiel mir schwer, eine Strecke von
500 Metern schien mir wie ein Marathonlauf.
Kleinste Steigungen brachten mich außer Atem.
Erst dachte ich an eine Herzkrankheit, aber
der Arzt war schnell mit der Diagnose sicher.
Ich quälte mich ein halbes Jahr, hatte sogar beim Sprechen
Schwierigkeiten und rang um Luft.
Das öffentlich Singen wurde unmöglich.
Ich sang also ein halbes Jahr nur für mich und erprobte,
wie lange ich einen Ton halten konnte. Es war spärlich.

Treppen wurden mein Trainingsgebiet.
Wie viele Treppenstufen heute?
Wie viele Stufen morgen? Schaffe ich
morgen eine mehr?

Jetzt geht es mir wieder ähnlich,
aber nicht, weil ich körperlich krank bin,
sondern,
weil ich aus einem Verließ heraus muss.
Heute eine Treppenstufe und morgen drei, übermorgen vier und dann noch drei.
Wenn ich oben bin,
dann bin ich höchstens im ersten Stock,
aber auch von dort hat man schon eine gute Aussicht und das Leben zeigt sich im Grün der Pflanzen, je höher ich steige.
Wie viele Stockwerke muss ich steigen, um zu Gott zu
gelangen? Sagt es mir!